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Agiles Arbeiten

Methode oder Haltung?

Viele Unternehmer und Manager bringen mit dem Stichwort agiles Arbeiten eher oberflächlich betrachtet die Anwendung agiler Methoden in Zusammenhang. Dabei wird übersehen, dass agiles Arbeiten vor allem wertebasiert ist und einer Haltung näher ist als einer Methodensammlung.

Agiles Arbeiten – darum geht es

Woran denkst du, wenn du das Stichwort „agiles Arbeiten“ hörst? Denkst du hier an agiles Projektmanagement wie beispielsweise Scrum, dass vielleicht im Zusammenhang mit der Entwicklung von Software schon einmal erwähnt wurde? Denkst du an agile Methoden? Oder kannst du mit diesem Stichwort nichts anfangen? Wie dir mag es noch vielen Unternehmern und Unternehmen gerade im kleineren und mittelständischen Bereich gehen. Oft ist hier noch nicht genau bekannt, was es mit agilem Arbeiten auf sich hat.

Solche oder ähnliche Aussagen könnten in unternehmerischen Umfeldern und im wissenschaftlichen Bereich zum Thema getroffen werden:

„Agiles Arbeiten ist so ein Hype, bei dem es um neue Führungsmethoden geht“.

„Agiles Arbeiten ist die Antwort auf die VUKA-Welt“.

„Bei agilem Arbeiten geht es vor allem um Werkzeuge, die ein dynamisches Arbeiten im Team ermöglichen“.

„Agiles arbeiten muss man erfahren haben“ (me, myself and I)

“ Agiles Arbeiten ist eine Haltung“. (Uwe Malinowski betont die Haltung hinter agilen Arbeiten in „Agile Essentials: Was jeder über agiles Arbeiten wissen sollte, BoD – Books on Demand, 2019, Seite 9).

„Agiles Arbeiten hat viel mit Teamarbeit und Teambuilding zu tun“.

„Agiles Arbeiten beschreibt die Aktivitäten von agilen Organisationen.“

„Beim agilen Arbeiten geht es vor allem darum, schneller und dynamischer zu arbeiten sowie auf Veränderungen reagieren zu können.“

„Agiles Arbeiten ist ein empirischer Prozess…“(Andreas Diehl)

Wahrscheinlich bist du jetzt nicht überrascht, wenn ich an dieser Stelle sage, in den meisten dieser Sätze stecke etwas, das tatsächlich zum agilen Arbeiten gehört. Wenn zu einem Thema so viele verschiedene Aussagen möglich sind, deutet das auf eine große Vielschichtigkeit der Thematik hin. In der Tat ist es schwierig, den Begriff agiles Arbeiten auf eine kurze Definition herunter zu brechen. Einfacher wird es in einem späteren Abschnitt, die Grundpfeiler und spezifischen Prinzipien von agilem Arbeiten zu bestimmen. Dennoch möchte ich dir hier auch eine Definition nicht schuldig bleiben:

Agiles Arbeiten Ist eine andere Art als das klassische Arbeiten. Seine Schwerpunkte liegen vor allem auf der Wertebasiertheit, auf der Zielgerichtetheit und der Anpassungsbereitschaft an sich ständig verändernde Anforderungen. Damit ist agiles Arbeiten die Arbeitsform, die bisher den Herausforderungen der Digitalisierung und digitalisierter Unternehmens Umfelder am ehesten entspricht. In der letzten Konsequenz zu Ende gedacht und ausgeführt, ist agiles Arbeiten ein relativ radikaler Ansatz. Typische festgefahrene Unternehmensstrukturen und Hierarchien fehlen ebenso wie das normalerweise ausgeprägte Kontrollbewusstsein der Führungskräfte. Agiles arbeiten lebt vor allem von der Selbstmotivation und Eigenorganisation kleinerer, flexibler Teams, die in festgelegten, relativ kurzen Zeitabschnitten bestimmte Aufgaben bearbeiten.

Aus meiner Sicht gilt vor allem eines für die Wirkung von agilen Arbeiten: Ich halte agiles Arbeiten für die Grundlage unternehmerischen Erfolgs in digitalen Märkten.

Ich möchte dir deshalb im folgenden Beitrag eine Einführung in ein agiles Mindset geben und die Methode vorstellen, mit denen du ein solches Mindset in einem Unternehmen etablieren kannst. Du erfährst außerdem, was agile Teams auszeichnet und was sie anders sowie besser machen als traditionell ausgerichtete Abteilungen in Unternehmen.

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agil arbeiten

Grundlagen und die Geschichte

In den 1950er Jahren hat ein Soziologe das sogenannte AGIL-Schema entwickelt. Ihm ging es dabei um ein systemtheoretisches Modell zu Elementen, die Systeme benötigen, um sich selbst zu erhalten und voranzukommen. Talcott Parsons arbeitete in diesem System mit bestimmten Werten, bestimmten Verhaltensweisen, Lernprozessen und dem Zusammenwirken für ein gemeinsames Ziel. Agiles Arbeiten kann deshalb eher als eine Haltung als eine reine Methode bezeichnet werden. Bestimmte Werte halten ein Team auf einer organisatorischen Ebene wie einem Unternehmen zusammen und ermöglichen es, gemeinsam zielorientiert zu arbeiten. Idealerweise werden agile Teams dabei von einem agilen Team in einer agilen Organisation unterstützt. Insbesondere im Bereich der Softwareentwicklung sind über die Zeit agile Methoden entstanden, die agiles Arbeiten in die Praxis umsetzen. Beispiel ist hier Scrum. Dennoch ist es nicht möglich, den agiles Arbeiten nur auf eine Methode zu beschränken. Vielmehr bietet agiles Arbeiten als Konzept die Grundlagen an, die sich agile Methoden in der Praxis zu eigen mache, um agiles Arbeiten umzusetzen.

Agiles Arbeiten und seine Grundlagen

Wenn es um die Basis agilen Arbeitens geht, steht die agile Haltung im Vordergrund. Man kann hier auch von einem agilen Mindset entsprechen. Was kennzeichnet dieses Mindset? Wie wirkt sich das Mindset direkt auf das Arbeiten aus?

  1. Wer an einer agilen Organisationsform teilnimmt zum Beispiel in einem agilen Team, macht dies freiwillig und aus einem inneren Antrieb heraus. Er ist sich dieses inneren Antriebs auch bewusst. In Unternehmen kann man hier von einer Vision sprechen, die alle Beteiligten im Unternehmen zusammenbringt. Ohne diese Vision, diese Idee oder diese Eigenmotivation ist agiles Arbeit nicht denkbar.
  2. Die Arbeit und jeder einzelne Baustein einer Arbeit haben ein klares Ziel. Dieses wird deutlich kommuniziert. Dabei werden sämtliche Verfahren und Prozesse in einem Arbeitsprozess gleichzeitig priorisiert. Agiles Arbeiten bekommt dadurch einen sehr intensiven, zielgerichteten Fokus.
  3. Im Vergleich mit der klassischen Organisation von Unternehmensstrukturen wird hier nicht in starren Hierarchien und großen Abteilung gearbeitet. Es stehen im Fokus des agilen Prozesses vielmehr kleine und selbstorganisierte Teams, die an einer Teilaufgabe intensiv arbeiten. Die Teams können sich Aufgaben bezogen neu zusammensetzen, wenn dies bei einer neuen Teilaufgabe notwendig ist. Die Anforderung kleiner Teameinheiten zielt dabei darauf ab, dass intensives Arbeiten und eine intensive Kommunikation untereinander möglich werden.
  4. Große Aufgaben werden in kleinere Teilaufgaben und auf kürzere Zeitabschnitte aufgeteilt. Das ermöglicht zielgerichtetes und intensives Arbeiten auf ein kurz gesetztes Ziel hin. Außerdem sind auch im Arbeitsprozess Anpassungen an sich ändernde Anforderungen möglich. Es ist deshalb agil h immer möglich, auf Veränderungen flexibel zu reagieren. Hier liegt ebenfalls eine der großen Unterschiede zu klassischen Arbeitsformen.

Wenn du ein agiles Mindset etablieren wird, geht es in einem ersten Schritt um die innere Haltung, um die Vision. Man kann auch von der Einstellung zur Arbeit und zur Aufgabe sprechen. In einem zweiten Schritt geht es um die Organisation im agilen Sinne. Kleine Teams, klare Zielsetzungen, kurze Zeitabschnitte und immer wieder mögliche Anpassungen an veränderte Vorgaben sind Kernpunkte.

Bei der Zusammenstellung der Teams ist darauf zu achten, dass sämtliche Kompetenzen und auch alles andere, was gebraucht ist, dem Team zur Verfügung steht. Das Team wird nicht von oben kontrolliert, sondern organisiert sich selbst.

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Vision als Leuchtturm hilft grafisch dargestellt

Was machen agile Teams anders?

Die möglichen Vorteile agilen Arbeitens lassen sich am besten beispielhaft hervorheben und erarbeiten:

Betrachten wir einmal ein Projekt zur Entwicklung von nach individuellen Kundenvorgaben zusammengestellten Fertigungsmaschinen. Häufig hat der Auftraggeber zwar bei Vergabe des Auftrags eine relativ genaue Vorstellung, was die Maschinen können soll und muss, aber nur sehr vage Ideen zur technischen Umsetzung. Diese technische Umsetzung liegt in der Hand des Entwicklungsteams. In dem klassischen Projektmanagement und der klassischen Projektplanung kommen solche Unwägbarkeiten bei der Entwicklung schnell an die Grenzen der Planbarkeit des gesamten Projektes. Zwar werden hier pro forma meist Meilensteine und andere Projektabschnitte festgelegt, die sich aus den Erfahrungen früherer Projekte ergeben. Diese müssen aber auf das aktuelle Projekt nicht passen. Häufig entsteht so eine sehr unrealistische Zeitvorstellung zu einzelnen Projektabschnitten, und die Realität entspricht beim Fortschreiten des Projektes der Planung überhaupt nicht mehr. Bei einer klassischen Planung besteht auch immer die Gefahr, dass am Ende etwas entwickelt wird, dass der Kunde auch nicht gebrauchen kann, weil er zwischendurch keine Informationen über den Fortlauf der Entwicklung erhalten hat.

Agile Teams machen das anders: Sie teilen die Aufgabe in mehrere kleinere Aufgaben ein. Geplant wird nur für einen kurzen Zeitabschnitt, in dem ein Zwischenergebnis entsteht. Der Auftraggeber wird über den Zwischenstand informiert und kann geänderte Anforderungen und weitere Wünsche mitteilen. So bewegt sich die gesamte Projektentwicklung immer nah an den Wünschen des Auftraggebers.

Die kurzen Zeitabschnitte sind zeitlich äußerst überschaubar und münden stets in ein Ergebnis ein. Das Projektteam kann sich intensiv mit dem jeweiligen Teilabschnitt beschäftigen, erkennt hier auftretende Probleme und kann diese zeitnah und konzentriert lösen. Es besteht niemals die Gefahr, dass das Team etwas entwickelt, das am Ende nicht den Vorstellungen des Kunden entspricht. Der Kunde nimmt an dem Entwicklungsprozess teil.

Darüber hinaus wird durch die kurzen Zeitintervalle ein sehr konzentriertes Arbeiten möglich. Auf diese Weise können Entwicklungen schneller vorangetrieben werden. Da auch mögliche Schwierigkeiten und Hürden in den Einzelteilabschnitten erkannt werden, läuft niemand bei der Planung in Gefahr, unrealistische Zeitvorgaben zu machen. In der Regel entstehen bei agilen Projektarbeiten deshalb auch keine Kostenexplosionen, die beispielsweise durch Zeitverzögerungen und unrealistische Annahmen bei klassischen Projekten an der Tagesordnung sind.

Ein toller Podcast zum Thema von DocLinke:

Durch die kleinteiligen Organisationsteams beim agilen Arbeiten werden alle relevanten Teammitglieder in die Entwicklung einbezogen. Es findet Kommunikation auf regelmäßiger Basis statt. Da alle Teammitglieder auf Augenhöhe miteinander arbeiten, bleibt die Eigenmotivation über das Projekt hinweg erhalten. Es besteht kaum die Gefahr, dass einzelne Teammitglieder innerlich aus dem Entwicklungsprozess aussteigen, weil beispielsweise unverständliche Weisungen eines Projektleiters ergehen. Außerdem stehen jedem Mitglied des Teams jederzeit sämtliche relevanten Informationen gleichberechtigt zur Verfügung. Es gibt keine Informationen, die etwa nur einem Projektleiter vorbehalten bleiben.

Agiles Arbeiten – ein Erlebnis?

Ich finde: „Agiles arbeiten muss man erfahren haben, um es bewerten zu können.“

Vermutlich ist an dieser Aussage mehr dran, als sich die meisten klassischen Unternehmer, Führungskräfte und Projektmanager vorstellen können. Agiles Arbeiten unterscheidet sich an so vielen Schnittstellen entscheidend von klassischen Arbeitsformen in Projekten, dass sich hier tatsächlich eine neue Welt eröffnen kann. Agiles arbeiten gehört tatsächlich in eine neue Welt, die gern als VUKA-Welt bezeichnet wird.

Für mich stellt sich dabei nicht die Frage, ob du dir agiles Arbeiten jemals zu eigen machen musst. Die Möglichkeiten agilen Arbeitens gehen heute bei weitem über die Entwicklung von Software und anderen Produkten hinaus. Agile Instrumente spielen in vielen Arbeitsumgebungen und Unternehmen eine Rolle. Für mich sind agile Arbeitsformen die einzigen Möglichkeiten, um alle Vorteile der Digitalisierung für ein Unternehmen nutzbar zu machen. Deshalb frage ich an dieser Stelle nur:

W a n n möchtest du agiles Arbeiten einführen? 

Meine Antwort lautet darauf: Je früher desto besser.

Du machst dein Unternehmen damit zukunftsfähig und lernst eine ganz neue Arbeitskultur kennen, die viel zu persönlichem Wohlbefinden bei dir und deinen Mitarbeiter beitragen kann. Voraussetzung ist ein weiterer Bestandteil vieler Arbeitsumgebungen. Du musst zunächst einiges lernen. Du wirst so neugierig und begierig werden, mehr zu erfahren und zu erleben. Gehe dabei besser davon aus, dass uns agiles Arbeiten unter welcher Bezeichnung auch immer in der einen oder anderen Form weiterhin durch die digitalisierte Unternehmenswelt begleiten wird.

Für lange Zeit.

Impulsvortrag: agiles Arbeiten

Weiterführende Artikel


Was versteht man unter agiles arbeiten?

Agiles arbeiten bedeutet ein neues Mindset, häufig gemäss des Agilen Manifests. Im Zentrum steht die Flexibilität auf Veränderungen einzugehen, schnell Erfolge zu messen, immer an das zu Erreichende zu denken. Es ist eine sehr menschenorientierte Arbeitsweise und hoch effektiv.

Was für agile Methoden gibt es?

Die Welt der agile Methoden ist vielfältig. Sie unterscheiden sich je nach Kontext: Innovation (z.B. Design Thinking), Produktion (z.B. Scrum), Management (z.B. Objective Key Results)

Wieso agiles arbeiten?

Agiles arbeiten ist die Antwort auf komplexe Umgebungen. Sie ersetzen klassische Methoden, die auf längerfristigen Plänen und Absehbarkeit beruhen. Im Komplexen ist es notwendig auf Veränderungen der Rahmenbedingungen einzugehen und das ist der Fokus agiler Arbeitsweisen.

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