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Unsere Welt steht Kopf – und wir mit Ihr

Der Mensch als Opfer und Täter

Wir überholen uns selbst durch Digitalisierung und Globalisierung. Aber wie wirkt sich das aus?

Täglich stehe ich auf und wundere mich über die Geschwindigkeit unserer Welt im Wandel.

  • Da wird Apple vor zwei Jahren zum ersten Billionen Unternehmen und ist heute 2 Bio. wert, dabei war 2004 GE noch mit 300 Mrd. das aller Größte.
  • Wir arbeiten an einem vereinten Europa, auf einmal bin ich überrascht von einem Popularitätstrend radikaler Parteien, die für Abgrenzung und Trennung stehen. 
  • Meine Tochter bezieht echte Nachrichten über TikTok und ich schaue in die Zahlen und sehe eine App mit mehr als 1 Mrd. Nutzer, die ich bisher als Spielerei abgetan habe.

Wow. Wer will damit noch klarkommen und ich bin sicherlich ein Mensch, der neugierig und beobachtend die Entwicklungen verfolgt.

Dann sehe die Diskrepanzen, an denen klar wird, dass wir an diversen Stellen einfach stehen bleiben.

  • Ich selbst war in einem Gerichtsprozess involviert, bei dem das Telemediengesetz von 2000 herangezogen wurde. Automatisierung war ausgeschlossen. Realität, die 20 Jahre alt ist als Grundlage.
  • Die Klimakrise ist seit Jahrzehnten Thema und gleichzeitig schieben wir Entscheidungen stetig nach hinten, um der Wirtschaft nicht zu schaden.
  • Digitale Giganten wie Google und Co. zahlen kaum Steuern in der EU und es gibt kein gemeinsames Vorgehen – seit Jahren.
Digitalisierung und Globalisierung führen zu komplexen ZusammenhängenPin
Digitalisierung und Globalisierung führen zu komplexen Zusammenhängen

Eine enorme Schere zwischen schnell und langsam öffnet sich, die wir Menschen schaffen! Gleichzeitig werden wir mit den Folgen leben müssen. Der Fortschritt, getrieben durch Technik, ist Faszination und Schrecken zu gleich. Seit dem Beginn der Industrialisierung sehen wir, dass Technologie dort eingesetzt wird, wo Sie uns wirtschaftlich nach vorne bringt – das bedeutet ein maximales Ausmaß an Automatisierung gemäß dem Stand der Technik – seit über „300 Jahren“.

Unser Unbewusstes instrumentalisiert unser Bewusstsein, um unsere Bedürfnisse zu befriedigen: höher, weiter, schneller. Zu Beginn vor allem stehen die Bedürfnisse der „Erfinder*innen“.

Technologie gibt es erst 300 Jahre

Thomas Newcome, der eigentliche Erfinder der Dampfmaschine, entwickelte im Jahr 1712 eine Dampfmaschine, die eine Wasserpumpe betreiben konnte. James Watt verbesserte diese Erfindung später und wurde dadurch berühmt.

Vor gut 300 Jahren wurde Dampf also als Antriebskraft verwendbar und wenige Jahrzehnte später auch praktisch einsetzbar. Ein wesentlicher Eckpfeiler zum Start der Industrialisierung – 300 Jahre her.

„300 Jahre“ betrachten wir hier mal als Platzhalter. Das ist aus unserer Perspektive eines Menschenlebens (ca. 80 Jahre) eine lange Zeit, 15-20 (rechnerische) Generationen.

Auf der anderen Seite eine sehr kurze Zeit:

  • Die Erde existiert bereits 4,5 * 109 Jahren,
  • wir Menschen existieren seit ca. 2,4 Mio. Jahren
    (oder vielleicht 400.000 Jahre länger, die Wissenschaftler streiten da noch)
  • und rein genetisch betrachtet ist der Homo Sapiens seit 70.000 bis 50.000 Jahren bis heute fast nicht verändert.

Das am Rande, um für die weiteren Gedanken ein Relativ für einen Zeitstrahl zu schaffen. Im Vergleich zur Entwicklung der Erde sind wir erst kurze Zeit mit Technologie unterwegs.

Also zurück zum technischen Fortschritt, den wir schaffen und der unsere Welt so dermaßen verändert, in rasender Geschwindigkeit.

Carly Fiorina, kam vor Jahren schon zu der Aussage:

„Alles, was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert werden“

Carly Fiorina, Chefin von Hewlett Packard

Alles, was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert werden.

Exponentieller Fortschritt ist schwer fassbar

Wer kennt noch das Gedankenexperiment aus der Schule:

In einem Teich wachsen Seerosen. 
Sie verdoppeln sich täglich. 
Am Tag 50 ist der Teich komplett mit Blättern bedeckt. 
Wann war der Teich zur Hälfte mit Blättern bedeckt?

(wer zu lange grübelt, schreibt mir bitte)

Unsere Entwicklung kann unter der Überschrift „schneller, doller, weiter“ laufen und die Digitalisierung ist die heutige Triebfeder. Wir geben uns selbst das Ziel jedes Jahr um x % zu wachsen. Das führ unweigerlich zu einer exponentiellen Funktion. Und der Seerosenteich verdeutlicht an einem simplen Beispiel, dass wir das nicht sofort aus dem Rückenmark beantworten können!

Aber was bedeutet das?

Da gab es schon in den 60er Jahren den cleveren Herrn Gordon Moore, von dem das gleichnamige „Mooresche Gesetz“ stammt.

Das mooresche Gesetz (englisch Moore’s law; deutsch „Gesetz“ im Sinne von „Gesetzmäßigkeit“) besagt, dass sich die Komplexität integrierter Schaltkreise mit minimalen Komponentenkosten regelmäßig verdoppelt; je nach Quelle werden 12, 18 oder 24 Monate als Zeitraum genannt. Unter Komplexität verstand Gordon Moore, der das Gesetz 1965 formulierte, die Anzahl der Schaltkreiskomponenten auf einem integrierten Schaltkreis. Gelegentlich ist auch von einer Verdoppelung der Integrationsdichte die Rede, also der Anzahl an Transistoren pro Flächeneinheit. All das ist die wesentliche Grundlage der „digitalen Revolution“.

Wikipedia

Und jede Kurve, die man sich in dieser Richtung anschaut, verläuft exponentiell.

Zum Beispiel die Verfügbarkeit von Technologie

Verfügbarkeit von Technologie wird immer schnellerPin
Verfügbarkeit von Technologie wird immer schneller

Daten-Quelle: https://i2.wp.com/

Moore bezog seine Schlussfolgerung auf Schaltkreise = Computer Power, gleichzeitig könnte man aus subjektiver Beobachtung qualitativ schlussfolgern, dass sich eine solche Tendenz auf alle technischen Fortschritte verallgemeinern lässt. Das spielt hier aber eine untergeordnete Rolle, denn was sich aktuell und in den letzten zwei Jahrzehnten speziell an Veränderung ausprägt, ist primär durch Digitalisierung getrieben und damit direkt auf die „alten Schaltkreise“ von Moore zurückzuführen. Und es spielt auch weniger eine Rolle, ob es eine Verdopplung innerhalb eines oder innerhalb von zwei Jahren ist, es ist verdammt schnell und übersteigt die Vorstellungskraft der meisten Menschen. Das wird klar, wenn wir uns das mal verbildlichen.

Menschen verstehen exponentielles Wachstum schwerPin
Menschen verstehen exponentielles Wachstum schwer
Exponentielle Kurven sind nicht vom Standpunkt abhängig, nur von der Darstellung. Das bedeutet bei Wachstum IMMER der viel kleinere Teil liegt hinter uns und der große Berg vor uns. Und wir können das nicht denken.Click to Tweet

Nochmal langsam: der große Berg (von Technologiesprüngen, Veränderung, etc.) liegt noch vor uns!

Exponentiell entwickeln sich auch Unternehmen

Was dachtest Du in 2010 über Pinterest, SnapChat und TikTok? Vermutlich wenig. Es gab sie noch nicht! Gleichzeitig sind es heute Milliarden Unternehmen mit hunderten Millionen Nutzern.

Und genau das ist das Ergebnis. Das eine sind die Möglichkeiten, welche die Technik bereitstellt, das andere ist die Geschwindigkeit, wie technische Neuerungen von uns eingesetzt werden bzw. in unserem Alltag etabliert werden. Und erschreckender-, überraschender- oder natürlicherweise sehen wir eine direkte Korrelation.

Die Einführung des Telefons hat noch über 50 Jahre bis zu einer großen Flächendeckung gebraucht, die quasi vollständige Verbreitung der Smartphones weniger als 10 Jahre.

Das entspricht einer Verfünffachung der Einführungsgeschwindigkeit innerhalb eines Jahrhunderts. Heißt das eine Erfindung zur nächsten Jahrhundertwende braucht vom Tag der Markteinführung bis zur fast vollständigen Abdeckung der Menschheit nur noch 2 Jahre? Möglich!

Nun ist das Internet und damit die Digitalisierung das Hauptthema unseres Jahrhunderts. In Kombination mit oder gerade dadurch bildet sie mit der Globalisierung einen sich verstärkenden Mechanismus. Die Welt verändert sich schneller und schneller. Waren vor dem Jahrtausendwechsel die Aktienindizes weitgehend konstant besetzt, hat sich die Welt der größten Unternehmen in den letzten zwei Jahrzehnten vollkommen verändert. Das bedeutet Unternehmen, die es vor gut 20 Jahre noch gar nicht gab, gehören jetzt zu den größten oder mindestens den wertvollsten der Börse. Ein Rang, den sich die herkömmlichen Konzerne über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte hart erarbeiten mussten. (Das soll nicht heißen, dass in den neuen rising stars die Leute nicht hart arbeiten.)

Warum Unternehmen scheiternPin
Die wertvollsten Unternehmen 2004 und 2019 im Vergleich

Und wo Wachstum ist, ist auch sterben. Etablierte Unternehmen mit signifikanten Marktanteilen segnen auch immer schneller das Zeitliche. Die Unternehmer sind nicht in der Lage schnell genug auf diese Veränderungsgeschwindigkeit zu reagieren. Riesen entstehen und sterben in unglaublichem Rhythmus.

Das zeigt, dass Unternehmen heute, wie nie zuvor, die Chance haben schnell zu wachsen. Und es wird klar, dass dieses schnelle Skalieren den digitalen Unternehmen vorbehalten ist. Zoomen (kann man als neutrales Wort kaum noch verwenden, was ein weiteres Beispiel für schnelle Migration von Technologie in unseren Alltag bedeutet) wir noch etwas hinein und schauen auf die Wachstumskurven der digitalen Einhörner, wird einmal mehr klar, was für ein Schwung diese online-Netzwerkeffekte entwickeln können.

Nassim Taleb (The Black Swan) pointiert: „… Firmen, die jedes Jahr etwas erfolgreicher sind, sind in unserer heutigen Welt labil. Weil sie von Firmen abgelöst werden, die lange zunächst erfolglos nach einer großen Innovation suchen, bis sie fündig werden.“

  • CDs werden ersetzt durch Streamingdienste wie Spotify
  • Dreh- und Fräsmaschinen werden ersetzt durch 3D Drucker
  • Kameras werden ersetzt durch das Handy

Ganze Branchen befinden sich in einem schnellen Umbruch.

Es gibt Startups, die es heute in weniger als einem Jahr zu einer Milliarden-Bewertung schaffen – teilweise ohne Umsatz oder Geschäftsmodell. Börsen-Helden auf der anderen Seite können innerhalb von Jahren sterben.

1.    Unternehmen werden globale Riesen

TikTok sollte jüngst als App in den USA verboten werden. Man hatte Angst, dass amerikanische Daten nach China abwandern. Führende Kräfte von Facebook müssen der EU gegenüber Rede und Antwort stehen. Google widersetzt sich rechtskräftigen Urteilen in Europa.

Weil sie es können!

Die Riesen können sich mindestens mal viel Geld leisten, sind technologisch in der Lage mit den Daten viel mehr zu tun, als uns lieb ist und haben die Stabilität sich gegen Staaten zu wehren. Sie sind ja nirgends „zuhause“, sondern international.

Längst ist also klar, dass die neue Ökonomie den digitalen Plattformen gehört. Produzierende Unternehmen, die uns als Riesen erscheinen sind an Kennzahlen gemessen längst nur noch kleine Spieler am Markt.

GAFA ist das neue Stichwort (Google, Amazon, Facebook, Apple) – kann gerne auch erweitert werden durch z.B. Alibaba. Facebook und Google zusammen 70 % des Online-Werbemarktes in den USA.

Diese globalen Riesen sind auch längst mehr als Unternehmen, die einem Land zuzuordnen sind. Sie beeinflussen die Politik mit Ihrer Macht und die Staatskassen durch ein flexibles Steuermanagement mit Präsenzen auf der ganzen Welt.

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Apples Umsatz in 2017 war höher als der Staatshaushalt von Portugal. Das würde Apple zum Land auf Position 47 der Rangliste nach Brutto Inlands Produkt machen.

Milliarden Unternehmen pro LandPin
Neue Unternehmen mit Milliarden-Bewertung pro Land im Jahr 2019
  • Der Staat verliert an Macht. Europa kann sich z.B. seit Jahren nicht einigen, wie eine Versteuerung für hier erbrachte Leistungen vollzogen werden soll. Nebst dem, dass Europa als Innovationsschmiede in diesem Segment absolut hintenansteht.

Fazit: Unternehmen entstehen und wachsen nicht nur schnell, sondern der wirtschaftliche Einfluss kommt dem von ganzen Ländern gleich.

Nicht Staaten mit sozialer Verantwortung, sondern Unternehmen gestalten damit die Zukunft und sie haben den Auftrag immer mehr Gewinn zu erwirtschaften

=> Alles wird digitalisiert, was digitalisiert werden kann.

2.    Automatisierung ändert die Joblandschaft

Kürzlich las ich, dass neben 1.000 Jobs die Firma Amazon 4.000 Roboter in der Logistik einsetzen wird. Der Ersatz von menschlicher Arbeitskraft durch Maschinen und digitale Lösungen ist längst angekommen. (Quelle)

Digitalisierung und Automatisierung verändert schon heute unsere Arbeitswelt, also unsere Existenzgrundlage. Und das hat erst begonnen. Wenn wir einfach mal das Beispiel von autonomen Fahrzeugen wählen, also Fahrzeuge, die ohne Fahrer von A nach B kommen (vermutlich irgendwann sogar viel sicherer als mit Fahrer, da das menschliche Versagen entfällt). Taxifahrer, Busfahrer, Fernfahrer und vielleicht sogar der private PKW (durch autonome Car-Sharing Angebote) würden vollständig ersetzt. Das entspräche ca. 500.000 Berufskraftfahrerjobs in Deutschland = 1 % der Arbeitsplätze.

Wenn alles digitalisiert ist, was digitalisiert werden kann, werden viel mehr Berufsgruppen betroffen sein: Standard-Bürojobs, automatisierte Supermarktkassen, Tankstellen, Lagerarbeiter werden durch Roboter ersetzt etc. Die händische Arbeit, die frei ist von einem Charakter der Problemlösung (soweit das Maschinen heute noch nicht können) oder von Menschlichkeit und Empathie, wird ersetzt. Und die Jobs der Problemlöser werden auch mehr und mehr durch Machine Learning und Künstliche Intelligenz reduziert, bzw. auf ein höheres Komplexitätsniveau gehoben. Der arbeitende Mensch ist Supervisor, Problemlöser oder er arbeitet „am Menschen“.

Der letztgenannte Bereich kann nicht durch Maschinen ersetzt werden: Yoga, Altenpflege, Coach, Theater, Lehrer, Erzieher, Ärzte, Psychologen.

Das Zwischenmenschliche eben! Aber auch hier kann der analytische Part von Maschinen oft besser ausgeführt werden, z.B. die Interpretation eines Röntgen-Bildes oder über Technologie skaliert werden, z.B. hervorragende Lernvideos auf YouTube.

Menschlich sind die unersetzlichen Berufe der Zukunft. Aber welche brauchen wir davon? Wovon sollen die Menschen leben, wenn die Jobs ersetzt werden? Genau das sind die Fragen, die wir uns heute stellen sollten, aber es nicht wirklich tun.!

3.    Der Mensch als Ware

Wenn ich eine Frage habe: Google ich. Wenn ich einen Experten suche: schaue ich auf Xing. Wenn ich etwas über meine Dienstleister im Freizeitbereich erfahren möchte: gehe ich auf Facebook. Alles gratis. Wie machen die das nur?

Die Antwort ist einfach. Diese Unternehmen leben von Werbung, nicht anders als das gute alte Fernsehen (zum großen Teil). Sie bauen also echt gute Services, so dass möglichst viel Zeit auf den Plattformen verbracht wird. Mehr Zeit = mehr Werbezeit – auch noch nicht anders als im TV. Der Unterschied: diese Plattformen kennen uns ganz genau. Sie wissen was uns interessiert (unsere Klicks), was wir lesen (die Verweildauer) und haben damit über die Zeit ein detailliertes Profil von uns.

Wir nutzen die Dienste gratis, hinterlassen aber unser Profil und sind damit die perfekten Werbeziele. Weil aber die Zeit, die wir dort verbringen damit steigt, dass wir Dinge finden, die uns interessieren, bekommen wir auch genau das.

Nun hatten wir es schon mehrfach rund um das Thema Unsicherheit, Polarisierung und Abgrenzung. Ich möchte diesen Plattformeffekt mal anhand der US Politik-Landschaft darstellen. Ein Trump-Anhänger bekommt auf den Plattformen Trump-Gedankengut zu sehen, weil es das ist, was er lesen will bzw. in dem er sich (aus Identitäts-Gründen) bestätigt wissen möchte. Ein Biden Anhänger genau umgekehrt. Da gibt es also 2 Menschen, die in ihren eigenen Wahrheiten leben und nun von der anderen „Meinungs-Welt“ gar nichts mehr mitbekommen. Sie schwimmen in ihrem eigenen Saft.

Bäng: die Spaltung und Polarisierung sind perfekt! Einen beschleunigenden Anteil daran tragen die Sozialen Medien.

Und gleichzeitig haben wir es geschaffen

Wir bestellen mit einem Mausklick bei Amazon, auch wenn wir wissen, dass es den Einzelhandel das Leben kostet oder demnächst vielleicht den eigenen Job!

Ich habe in meinem Freundeskreis herumgefragt:

Ich so: „Was macht ihr, wenn euch abends auffällt im Haushalt fehlt etwas (keine Lebensmittel).“ Antwort: „Na, ich bestelle auf Amazon.“

Genau, ich auch und so machen wir die Digitalen Riesen.

Wer hat nicht schon mal bei Amazon bestellt? Und wenn man bei den Kunden – also in meinem Fall im Freundeskreis – nachfragt, warum bei Amazon bestellt wird, dann ist es eine Mischung aus:

  • Da finde ich immer alles
  • Es ist am nächsten Tag da
  • Ich muss nicht in 1.000 Geschäfte gehen
  • Wenn irgendwas nicht passt dann ist die Rücksendung unproblematisch

Interessanterweise habe ich nie, wirklich nie, etwas von „da ist es am günstigsten“ gehört. Es ist bequem und es ist sicher, sind die Hauptgründe. Und alle tun es. Ein minimaler Bruchteil am Menschen kauft aus Überzeugung explizit nicht bei Amazon, sondern geht gezielt in den lokalen Einzelhandel. (Anmerkung: Amazon ist hier als ein Beispiel verwendet, aber ich denke jeder kann sich wiedererkennen). Wir machen die Digital-Riesen groß. Alternativ können wir uns ja mal die Frage stellen:

  • Kehre ich Facebook den Rücken oder Google?
  • Ist mein Leben frei von WhatsApp oder Instagram?

Wer bei all diesen Fragen sagen kann: ja ich nutze diese Firmen nicht, kann gerne informativ weiterlesen, ist mindestens aber kein Teil des Trends.

Die meisten werden hier wohl „nein“ sagen. Es geht dabei zum einen um Affekt-Befriedigung (mit einem Mausklick). Und um rationale Vorteile (schneller, aber auch besser und günstiger (Bewertungs-Aspekte) in einer Umwelt des schneller, weiter, höher … (unsere Konsum-Gesellschaft). Der Nachhaltigkeits-Gedanke ist in den Hintergrund gedrängt – führt das zu einem erfüllteren Leben? Haben wir die Ressourcen für solche Services?

Ich für meinen Teil bin auch Teil dieses Trends, auch wenn ich hier kritisch schreibe. Diesem Trend den Rücken zu kehren kostet Energie und hat etwas von „gegen den Strom schwimmen“. Also pauschalisiere ich an dieser Stelle und sage: „wir alle unterstützen den Trend“ – auch jene (vielen) die aktuell ein wachsendes Bedürfnis an Sicherheit oder ein Empfinden an verlorenen Halt verspüren.

Das nochmal mit einer europäischen Brille betrachtet, verstärkt diese Schizophrenie: keiner, wirklich keiner der relevanten Digitalen-Player ist aus Europa. Vielleicht kann man als „große“ online-Firmen aus Europa Zalando oder Delivery Hero erwähnen. Aber sind das Firmen, die Google, Apple, Facebook oder Alibaba die Stirn bieten?

Wohl kaum!

Die US Firmen haben wir ein Stück weit auf dem Schirm oder vor allem jeden Tag in der Benutzung. Es macht hier Sinn mal einen kurzen Ausflug in den Rest der Welt zu machen. Da lauern ebensolche Riesen, die auf anderen Kontinenten ähnliche Marktmacht aufgebaut haben: Yandex (Google für russisch-sprachige Länder), TenCent als online-Konglomerat in den asiatischen Ländern, Alibaba (analog dem Google/Amazon Empire) usw.. Und auch hier zeigt sich eine Agglomeration der Marktmacht bei Wenigen. Dominanz von Wirtschaftsmächten, welche die staatlichen Mächte überschreiten kann.

Wir schaffen also die Digitalen Riesen. Sie sind nicht aus Europa. Und wir haben einen weltweiten Trend der Verunsicherung. Das ist ein System!

Was machen Menschen, die überflüssig sind?

Viele Firmen, die ich kenne, arbeiten nach der Strategie: „Wir setzen Menschen nur da ein, wo wir nicht durch Technologie erfolgreich sind.“ Damit sind wir heute schon beim Menschen als Betreuer oder Problemlöser.

Die Arbeitslosigkeit im niedrig-qualifizierten Bereich wird enorm steigen, weil sie eben nicht das Profil von Problemlösern oder sozial starken Betreuern aufweisen. Keinen Job zu haben bedeutet, sie haben allem voran erstmal Zeit! Und nicht gebraucht werden ist in Masse ein immenser sozialer Sprengstoff. Denken wir nur mal an den ein oder anderen Verwandten oder Bekannten, der auf Rente geht. Wenige haben sofort ein erfülltes Leben.

Aber zuallererst brauchen Menschen erstmal Geld zum Überleben – egal ob wir es Harz-irgendwas nennen oder Grundversorgung – wenn ein Minimum an finanzieller Grundlage nicht erfüllt ist, wird die Gesellschaft nicht mehr funktionieren. Wenn es also eine neue Gruppe von nicht mehr arbeitenden Menschen gibt, müssen wir hierauf eine Antwort haben.

Im nächsten Schritt sollte dafür gesorgt werden, dass sie ihre Zeit erfüllt verbringen können. Vielleicht sind Netflix, Amazon Prime und Co. schon digitale Vorboten dafür, Yoga und alles andere an Möglichkeiten kommt hier auch ins Spiel, wie sich Menschen eben beschäftigen, wenn sie nicht arbeiten. In Zukunft aber eben einfach noch mehr.

Ein wesentlicher Teil der Zeit von Menschen mit Zeit fließt in die wohltuende Pflege sozialer Kontakte. Das kommt heute vielleicht sogar bei einigen Menschen zu kurz, die von Aufgabe zu Aufgabe oder von Termin zu Termin hetzen. Und hier ist es spannend mal zu schauen, wie die Kontaktpflege heute stattfindet: zu großen Teilen über die Digitalen Medien: WhatsApp, Facebook, SnapChat

Der Kreis schließt sich. Arbeitsplätze fallen weg. Jeder Bürger braucht ein Grundmenge an Geld und will seine Zeit „sinnvoll“ füllen. Das findet dann zu einem signifikanten Teil mit den Services der großen Digitalunternehmen statt. Weiteres Wachstum ist das Resultat!

Identitätskrise der Menschen

Wer kannte die AfD vor nur 2 Legislaturperioden überhaupt? Erst 2013 gegründet. Seit knapp 4 Jahren sitzt sie nun im Bundestag und steht für Abgrenzung – gegen jegliches „ein gemeinsames Europa“.

Es genügt nur nach Österreich, Frankreich, Großbritannien schauen, um Ähnliches zu sehen: der Rechtsruck in Österreich, der Erfolg von Boris Johnson in England oder aber auch Donald Trump als Präsident. UK strebt den Brexit an, „USA first“, „Ausländer raus“.

Es gibt eine unglaubliche Beschleunigung in unserer Umwelt. Und nun reagiert unsere Innenwelt darauf. Eine weitere Folge der schnellen Veränderung unserer Umwelt, von Gesellschaft bis zum eigenen Arbeitsplatz.

Menschen sind belastet:

Es steigen psychische Erkrankungen. Und dass, wo wir doch für immer menschlichere Arbeitsumgebungen sorgen, die finanzielle Sicherheit in jeder sozialen Schicht immer mehr vorhanden ist, die Gesundheitssysteme stetig verbessert werden. Menschen empfinden immer mehr Belastung, sodass „burn out“ Erscheinungen mittlerweile sogar bei Studenten und Schülern regelmäßig auftauchen. Auch hier vermutlich ein Zeichen, dass das Sicherheitsgefühl fehlt:

Sie sind„lost“. Depressionen, psychische Erkrankungen und Selbstmorde sind bei Jugendlichen auf dem Vormarsch.

Eine stetige Bedrohung wird empfunden, die Energiereserven raubt. Objektiv betrachtet klingt das erstmal absurd und gleichzeitig zeigen die Zahlen genau dieses. Und wieder: es geht darum, damit umzugehen.

Zuwachs psychischer KrankheitenPin
Zuwachs psychischer Krankheiten in den letzten 15 Jahren

Daten-Quelle:  https://de.statista.com

Unsicherheit führt zur Frage der Zugehörigkeit:

Ein typischer Effekt von der Frage nach Zugehörigkeit ist Abgrenzung.

  • Wer in der EU bekommt am meisten Geld? Ist das gerecht? Und bezahlen wir die Zeche?
  • Wo bleibt mein Arbeitsplatz, wenn das so weiter geht?

So oder so ähnlich könnte der unterbewusste Prozess sein, der zu Entwicklungen der Abgrenzung führt. Eine globale Welt, ein einiges Europa sind auf einmal für solche Menschen nicht mehr attraktiv, sondern Gefahr.

Und es zeigt sich, dass Köpfe mit Tendenzen die akzeptierten Grenzen zu überschreiten, Härte zu zeigen und vor allem sich nach außen hin eher abzugrenzen mehr Erfolg haben als in den letzten Jahrzehnten. Der Trend zur Öffnung und zur Zusammenarbeit, wie zum Beispiel „ein vereintes Europa“ erfährt Gegenwind. Menschen haben offenbar das Bedürfnis nach Abgrenzung, nach Reduktion des globalen Trends, einem Wunsch nach Identität mit kleinerem Horizont. Reduktion an Komplexität, ein Gegentrend der Globalisierung, und zwar in einem sehr schnellen Maß, so dass die bisherigen Mainstream Parteien diese Bedürfnisse nicht frühzeitig erkannt und adressiert haben.

Es war Raum für neue und schnell wachsende Strömungen. Das sind Strömungen gegen Menschlichkeit, Gleichheit und gegen alles, wofür wir Jahrzehnte lang gearbeitet haben, aus einem Bedürfnis nach Sicherheit. Eine Gefahr, die die Schnelle und oft nicht übersehbare Entwicklungsgeschwindigkeit mit sich bringt. Unsere Aufgabe ist es damit klar zu kommen.

Komplexität, nicht mehr kontrollierbare und planbare Zusammenhänge, entstehen durch Kopplung und hohe Geschwindigkeit. Die Kopplung zu reduzieren oder die Geschwindigkeit sind Möglichkeiten ein komplexes Umfeld in ein nur kompliziertes, wieder planbares, zu wandeln. Ob das für Anti-Globalisierung spricht, möchte ich in Frage stellen. Zusammenhalten, als Land, als Kontinent versetzt einen in die Lage viel mehr zu bewegen.

Das Sicherheitsbedürfnis ist ein tiefliegendes Fundament der Gesellschaft und aktuell offenbar gefühlt in Gefahr, was ein Stück weit bei obiger Ausführung nicht wundert. Gleichzeitig sind die daraus resultierenden Ausprägungen oft genug Grund zum Kopfschütteln.

Die Probleme und mittlerweile kann man behaupten, die Zukunft unserer Welt lassen sich nicht durch Abgrenzung bewältigen. Es ist hilfreich gemeinschaftlich zu handeln. Aber der einzelne, der mit seiner Identität hadert, wird nicht an das große Ganze denken. Dieses Mindset in einer signifikanten Menge ist ein Problem.

Diese Aspekte als Ausschnitt für viele Beispiele, die wir täglich links und rechts wahrnehmen können. Vielleicht stehen wir vor der nächsten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Revolution?

Identität ist für jeden Menschen ein wichtiger Pfeiler. Und Identität bedeutet gleichzeitig sich abgrenzen: Was bin ich? Was bin ich nicht? Dennoch gilt es zu schaffen auch eine Identität der Menschheit zu erzeugen, um globale Probleme zu lösen. Um partikulär Interessen im Sinne der Menschheit zu gestalten. Belastende Arbeiten reduzieren und eine drei Tage Woche anzustreben ist gut, nur sollten die Errungenschaften der Gesellschaft zufließen und nicht zu weiterer Polarisierung führen.

Die sechste Welle der Gesellschaft? Diese am Horizont erkennbare nächste Welle hat einen dramatischen Gegenspieler, denn alle vorangegangenen Wellen haben sich in einer Umwelt unbegrenzter Ressourcen aufgebaut. Ich erwarte, dass ein viel elementarer Umbruch bevorsteht: Gesellschaften und Wirtschaften, die in einer Welt begrenzter Ressourcen (Energie, Wasser, Raum, Rohstoffe …) koexistieren müssen oder untergehen werden.

Gesellschaftsentwicklung in Wellen: die nächste steht bevorPin
Gesellschaftsentwicklung in Wellen: die nächste steht bevor

Quelle: Hunter Lovins

Ein Umbruch naht. Er ist auch notwendig. Wir können ihn gestalten.

Von Wissen zu Veränderung: Druck

Alles wird digitalisiert. Arbeitsplätze sind in Gefahr. Die Gesellschaft wackelt. Wir sind die Ware der digitalen Unternehmen. Ein Umbruch wird kommen. Gleichzeitig handeln wir langsam oder nicht. Verpassen wir die Chance den Umbruch zu gestalten?

Um darauf zu reagieren hilft verstehen, wie es dazu kommt und was wir verändern können!

Veränderung ist unbequem, d.h. sie passiert nicht, wenn es uns gut geht. Also braucht es eine gewisse Phase des Druckaufbaus. Gleichzeitig haben wir gesehen, wie schnell die Veränderungen heute Dinge umkrempeln. Wir können also mit einer sehr kurzen Phase rechnen, in der Druck entsteht und sich aufbaut. Und was passiert, wenn sich Druck weiter aufbaut? Dann gibt es eine Explosion. Meiner Meinung nach ist schon ein gehöriger Druck vorhanden und wir schlafen noch.

Denn was wir messen können, ist die Entwicklung in der Vergangenheit. Was wir nur antizipieren können, ist die Entwicklung in der Zukunft. Diese beiden Bilder unterscheiden sich sehr. Wir erinnern uns an unsere Position auf der exponentiellen Kurve: Vergangenheit – erfassbar // Zukunft – kaum vorstellbar.

Das logisch zu Erwartende, sollte jetzt in Handlungen umgesetzt werden, auch wenn diese aus der erfahrenen Vergangenheit übertrieben scheinen. Denn die Effekte aus dem „unguten“ Gefühl der grösser werdenden Menge werden sich auch beschleunigen = Identitätskrise etc..

Es ist gut, dass es so kommt, weil den Menschen viele zunehmend als unmenschlich empfundene Arbeiten abgenommen und den Maschinen und Prozessen überlassen werden. Und, eine Dreitage-Woche ist besser als eine Viertage-Woche. Das eigentliche Problem dahinter ist, dass die daraus resultierenden Gewinne nicht an die Gesellschaft zurückgegeben werden.

Wir Menschen haben diese schnelle Entwicklung geschaffen. Wir treiben diese Entwicklung stetig voran. Und wir Menschen sind gleichzeitig die Leid-tragenden – neben der Natur, Klima & Co. eben auch wir Menschen selbst. Und wir handeln nicht dagegen, sondern wir fördern diese Entwicklung – jeden einzelnen Tag, mit jeder WhatsApp Nachricht. Und im nächsten Schritt werden wir krank, fühlen uns unsicher, oder wählen die radikalen Parteien.

Gleichzeitig proklamieren wir Menschen für uns kluge Wesen zu sein. Mit unserer Logik, Innovation und Schaffenskraft die ganze Natur und alle Spezies zu überragen.

  • Aber sind wir wirklich so klug?
  • Haben wir alles unter Kontrolle?

Oder gibt es viele Bereiche, wo wir besser von unserem hohen Ross absteigen und in die Akzeptanz kommen:

  • als Weltwirtschaft mit allen ökologischen Folgen,
  • als Menschheit im gemeinschaftlichen Sinne,
  • als Unterstützer einzelner Menschen (es könnte Deine Oma sein),

…. um umzudenken.

Aber schaffen wir das? Zwei Dinge sind klar:

1. Es ist höchste Eisenbahn unter vielen Kompromissen in die Veränderung zu kommen.
2. Es wird eine Herkules Aufgabe, die bei uns selbst beginnt und einmal um den Erdball laufen muss.

Worum geht es (in den Folgeartikeln)?

  • Zu verstehen und akzeptieren, wie wir Menschen ticken – einzeln und in Gesellschaft
  • Uns durch die Granularitäten zu denken
    • Was bedeutet das als Spezies: … den Kulturclash, wenn Iran mit Deutschland am Verhandlungstisch sitzt.
    • Wie gehen wir als Land damit um: … der Shitstorm, wenn das nächste Unternehmen in der Presse durch den Kakao gezogen wird.
    • Welche Möglichkeiten haben wir als Unternehmen zu überleben: … wenn das nächste Millionen finanzierte Startup in unserem Bereich „wildert“.

Das Konzept von einem schnellen „Richtig“ oder „Falsch“ etwas beiseitezulegen, weniger polarisieren und mehr durch ein Miteinander in die Veränderung zu kommen.

Lust auf mehr?

In den kommenden Monaten werden die weiteren 5 Folgen meiner Serie entstehen. Wenn Du informiert werden willst, hinterlasse Deine E-Mail-Adresse.

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