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BANI vs. VUCA

Viele Unternehmer, Manager und Wirtschaftswissenschaftler halten das Konzept VUCA für eine zuverlässige Möglichkeit, die heutige Unternehmensumwelt zu beschreiben. Dabei geht VUCA bereits auf die 1980er Jahre zurück. Damals, als nach dem Kalten Krieg die Blöcke in der politischen Landschaft zu zerbrechen begannen, bot VUCA eine sehr zutreffende Möglichkeit, die typischen Herausforderungen einer neuen Weltordnung zu definieren. Volatil, unsicher, komplex und mehrdeutig – das sind die Attribute, die man der politischen Landschaft damals zugeschrieben hat und die sich auch auf Unternehmen übertragen ließen. Heute Freund, morgen Feind und umgekehrt.

Viele Experten sind jetzt der Meinung, dass wir gerade bei der Beschreibung der Unternehmensumgebung noch einen Schritt weiter sind. Sie meinen, dass wir inzwischen in einem chaotischen System leben. Prompt beschreibt ein neues Akronym die Anforderungen dieser Wirtschaftswelt: Sie ist brüchig (brittle), ängstlich (anxious), nicht_linear (non-linear) und unbegreiflich (incomprehensible). Leben wir tatsächlich in dieser BANI-Welt? Welche Schlussfolgerungen lassen sich aus BANI ziehen?

BANI Übersicht

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VUCA vs. BANI – eine Zeitreise

Seitdem das VUCA-Modell Ende der 1980er Jahre an einer bekannten Militär-Akademie in den USA entwickelt wurde, sind wir in den unternehmerischen Umfeldern nicht untätig geblieben. Wir haben uns an veränderte Anforderungen angepasst und auch gelernt, in einem gewissen Rahmen mit Unsicherheiten und ständiger Veränderung zu leben. Agile Methoden und Denkansätze haben uns dabei unterstützt. Dennoch drängt sich vielen unternehmerisch Tätigen der Eindruck auf, dass unsere Welt noch komplizierter geworden ist. Statt instabiler Strukturen haben wir es mit chaotischen Zuständen zu tun. Diese Situation wirkt sich vor allem auch auf das persönliche Empfinden jedes einzelnen aus. VUCA bietet ein relativ objektives Framework, bei dem es nicht so sehr darum geht, wie jeder Einzelne das Leben und Arbeiten in einer solchen Welt empfindet. Auch insoweit geht BANI über die Prämissen von VUCA hinaus. Chaos kann Angst machen, was eine sehr subjektive Empfindung ist.

Gleichermaßen haben wir im Umgang mit VUCA gelernt, dass es häufig nicht die Volatilität an sich ist, die unsere Unternehmung gefährdet. Gefährdet sind wir, wenn wir uns nicht darauf eingestellt haben, uns anzupassen und zügig auf Veränderungen reagieren zu können. Dahinter steckt auch ein ganz bestimmtes Mindset. Um das BANI- Modell in die Tiefe zu durchdringen, ist es empfehlenswert, sich die einzelnen Aspekte des Frameworks genauer anzusehen.

Brüchigkeit

Als nächste Unternehmergeneration nach VUCA verstehen wir, dass brüchige Systeme eine Neigung dazu haben, sehr plötzlich zu versagen. Sie machen lange Zeit einen unkomplizierten, unauffälligen und stabilen Eindruck, um dann vor unseren Augen spektakulär zusammenzubrechen. Denken wir an große Krisen in den letzten Dekaden zurück, können wir etwa anhand der Bankenkrise sehr genau nachvollziehen, was Brüchigkeit bedeutet. Bei dieser Art von Zusammenbrüchen fällt ein Legostein nach dem anderen um.

Unternehmen und Organisationen werden dabei nicht zufällig Opfer von Brüchigkeit. Sie haben ihr System nicht belastbar genug gestaltet, um auf die Herausforderungen und Veränderungen reagieren zu können. Dabei ist Brüchigkeit insgesamt ein großes Problem, denn unsere vernetzte Welt führt schnell zu einem globalen Zusammenbruch, wenn nur ein Teil zusammenbricht.

Ängstlichkeit und Besorgnis

Wer Angst hat, fühlt sich schnell als Opfer äußerer Umstände. Er gerät nicht selten in eine Opferhaltung. Dieses Denken kann heute ganze Unternehmen und Organisationen erfassen. Geraten sie in diesem Zustand, betrachten Sie Veränderungen und Herausforderungen wie das Kaninchen die Schlange. Angst führt zu Lähmungszuständen, sodass ein zeitnahes Reagieren nahezu unmöglich wird. Im Rahmen von Ängstlichkeit sinkt man schnell in die Passivität. Das beschleunigt das Scheitern. In einer unternehmerischen Umgebung kann sich das beispielsweise darin niederschlagen, dass keine Entscheidungen getroffen werden, weil das Führungspersonal Angst vor der Entscheidung hat. Auch hier zeigt sich wieder, dass die Herausforderung weniger in äußeren Auffälligkeiten liegt als in dem Umgang mit Veränderungen und Herausforderungen.

Nicht-Linearität

Wenn das VUCA-Konzept Komplexität als eine typische Herausforderung der modernen Welt ansieht, dann geht auch an dieser Stelle BANI noch einen Schritt weiter. Wir haben im Umgang mit der Komplexität ebenfalls erfahren müssen, dass in einem solchen Umfeld ein Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung nicht immer gegeben sein muss. Das kennzeichnet die Nicht-Linearität. Das Handeln in einer nicht-linearen Welt ist besonders fordernd. Nicht immer nämlich führen große Anstrengungen zu großen Ergebnissen. Hier müssen wir teilweise umdenken und ganz neue Wege beschreiten, um am Ende zum Erfolg zu kommen.

Unverständlichkeit

Das VUCA-Konzept erkannte die Mehrdeutigkeit in einer digitalen Unternehmensumwelt. Heute ist die unternehmerische Umwelt nicht mehr nur mehrdeutig, sie ist teilweise unverständlich. Ereignisse und Entwicklungen erscheinen uns oft unlogisch und sinnlos. Das hat auch zur Folge, dass wir subjektiv ständig mit Überraschungen konfrontiert werden. Deshalb fühlen sich viele Unternehmen und mit ihnen die Menschen in ihnen von bestimmten Entwicklungen einfach überfordert. Wie soll man auf etwas reagieren können, dass man nicht einmal versteht?

Ist BANI eine völlig neue Entwicklung?

Wenn wir ehrlich sind, sind wir von brüchigen, besorgniserregenden, nicht-linearen und teilweise unverständlichen Prozessen schon umgeben, seit es den Menschen gibt. In der Natur gibt es viele nicht-lineare Erscheinungen. Es ist immer die Anpassungsfähigkeit des Menschen gewesen, der sie diese erfolgreich bewältigen ließ. Banal ausgedrückt heißt das, wer sich nicht anpasst, geht unter und stirbt aus.

Über die Industrialisierung und die wichtige Bedeutung von Technologie haben wir uns lange Zeit einreden können, dass wir inzwischen die meisten Prozesse beherrschen. Die Digitalisierung und die Veränderungen der modernen Welt zeigen uns aber, dass wir hier einem Irrtum unterlegen sind. Unsere Welt ist eben noch immer so chaotisch, wie sie es schon immer war. Ein typisches Beispiel ist die Klimakrise. Dabei wirken bestimmte neue Entwicklungen wie ein Filter, die uns diese Erkenntnis auch für unternehmerische Prozesse deutlich sichtbar machen. Im Umgang mit der BANI-Welt ist es deshalb notwendig, auf ganz bewährte Bewältigungsmechanismen zurückzugreifen. Dabei stehen Anpassung und Resilienz ganz oben.

Schöner Werkzeugkasten für Team Leiter und Manager in der VUCA und BANI Welt

Was hilft gegen Brüchigkeit? Wir müssen uns und unser Unternehmen stabilisieren. Es möglichst unangreifbar machen gegenüber ständig wechselnden äußeren Einflüssen. Ein resilientes, widerstandsfähiges System ist grundsätzlich in der Lage, auf viele unerwartete Veränderungen zu reagieren.

Wie können wir mit Angst umgehen? In dem wir achtsam genau schauen, was es mit der Angst auf sich hat. Hier geht es auf der menschlichen Ebene vor allen auch um Empathie. Wenn wir verstehen, was uns Angst macht, können wir besser mit der Angst umgehen. Wir decken dann auch auf, was uns in eine Opferhaltung gleiten lässt und verlieren das Gefühl der Ohnmacht.

Wie umgehen mit Nicht-Linearität?

Manchmal müssen wir uns Prozessen und Entwicklungen einfach anpassen. Auch, wenn Sie uns zunächst unlogisch erscheinen, kommen wir mit der entsprechenden Anpassung voran. Ebenso wichtig ist es, selbstständig Bezüge zu anderen Dingen herzustellen, um nicht-lineare Prozesse besser in den Griff zu bekommen. Das Stichwort heißt hier Kontext. Wir betrachten bestimmte Ereignisse und Entwicklungen nicht mehr absolut, sondern immer im Zusammenhang mit anderen Ereignissen.

Wie ist der Unverständlichkeit beizukommen?

Die Frage lässt sich auch andersherum stellen. Müssen wir denn immer alles verstehen, um damit umgehen zu können? Wenn immer mehr Fakten und Daten unser wirtschaftliches Leben bestimmen, lassen sich Entscheidungen unter Umständen nur intuitiv treffen. Wir können oftmals nicht warten, bis alle Fakten und Daten tatsächlich vorhanden sind. Möglicherweise tritt dieser Zeitpunkt nie ein. Entscheidungen müssen aber jetzt getroffen werden. Dabei hilft uns unsere Intuition, die wir über immer mehr Erfahrungen stärken. Ebenso ist es wichtig, die Entscheidungen, die wir treffen, transparent zu machen. Transparent sorgt zumindest auf unserer Ebene dafür, dass nicht weitere unverständliche Elemente dazukommen.

VUCA und BANI ergänzen sich

DAs VUCA-Modell hat nicht komplett ausgedient, weil sich unsere Einsichten weiterentwickeln. Im Gegenteil, in vielen Fällen baut BANI auf dem Vorgänger-Modell auf. Oftmals ist es auch so, dass man nicht genau sagen kann, wann im Umgang mit Volatilität eine tatsächlich brüchige Situation entsteht. Oder zu welchem Zeitpunkt genau Komplexität in Nicht-Linearität übergeht. Ebenso ist der Übergang von einer unsicheren Situation zu regelrechtem Chaos fließend. BANI ist deshalb als Denkansatz sehr gut geeignet, die Herausforderungen im modernen Wirtschaftsleben und in den Unternehmen insgesamt besser bewältigen zu können. Das liegt unter anderem daran, dass es bei BANI auch intensiv um das dahinterstehende Mindset geht. BANI bietet beispielsweise auch sehr hilfreiche Anhaltspunkte, um die Personalführung in einem Unternehmen den modernen Herausforderungen gut anzupassen. BANI geht einfach etwas weiter als VA und stellt andere Aspekte in den Vordergrund. Beide Konzepte helfen uns dabei, in einer wenig übersichtlichen Unternehmens Umwelt erfolgreich zu bestehen.

Was bedeutet BANI?

BANI steht für brüchig (brittle), ängstlich (anxious), nicht linear (non-linear) und unbegreiflich (incomprehensible).

Was bedeutet VUCA?

VUCA steht für Volatility, Uncertainty, Complexity und Ambiguity. Es beschreibt unsere heutige Situation für Wirtschaft und Unternehmen.

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